Konzertschau

Jimmy Eat World / Donots / Walking Concert - Köln, E-Werk
15. September 2004

Psst... soll ich dir mal was verraten? Am Donnerstag spielen Jimmy Eat World zusammen mit den Donots für lau im Kölner E-Werk.

Was schon die ganze Woche in einschlägigen Foren als unbestätigtes Gerücht kursierte, durfte am Donnerstag von Presse-Seite offiziell bestätigt werden. Ein offenes Geheimnis - sponsored by a German Mobilfunk-Anbieter. Unter dem Motto „Nobel geht die Welt zugrunde“ lief dieser Abend ab. Während Massen von Menschen (es müssen um die 5000 gewesen sein) sich vor dem E-Werk stapelten, konnte die Presse gemütlich im VIP/Guest-Bereich auf der Empore sich auf Kosten des Veranstalters die Hucke vollsaufen.

2000 enttäuschte Fans wurden nach Hause geschickt und in der Halle wartete die erste Überraschung: Walter Schreifels (der Typ von Rival Schools) neues Projekt Walking Concert. Zugegeben: das Outfit des Sängers ließ styling-technisch zu wünschen übrig, denn ich weiß nicht, seit wann genau weiße Feinripphemden eigentlich out sind. Aber nichtsdestotrotz und verdammt noch mal: Ich weiß nicht wann mich das letzte Mal eine Band, deren Songs ich nicht kannte, so vom Hocker gerissen hat. Rock gepaart mit Melodie, Charme und Anmut. Spätestens nach dem Satz „We Love Pot – The Ruhrpott!“ (und das in Kölle) musste man die Jungs einfach lieben! Memo an mich selbst: unbedingt Album besorgen!

Nach dem zweiten Kölsch (es gab halt nix anderes) hätte eigentlich die Einblendung: „Achtung! Dauerwerbesendung!“ kommen müssen, denn die Donots wiesen mit ungefähr jedem zweiten Satz auf ihr neues Album hin, das noch mal wie hieß?? Das ist den Jungs aus Ibbenbüren aber zu verzeihen, denn sie haben, wie man es von ihnen gewöhnt ist, eine fulminante Live-Show hingelegt, die natürlich mit „We´re Not Gonna Take It“ beendet wurde.

Jetzt kamen aber meine persönlichen Helden und Stars des Abends: Jimmy Eat World! Mit neuem Material der im Oktober erscheinenden Platte „Futures“ und alten Klassikern wie „Lucky Denver Mint“, „Good Bye Sky Harbour“ (leider ohne fünfminütigen Gesang wie am Ende der „Clarity“-Platte) und Hit-Singles „Sweetness“, „Bleed American“ und „The Middle“ wussten sie das Publikum schon nach dem ersten Akkord in ihren Bann zu ziehen. Die Mischung aus altbekanntem und neuem war perfekt ausgewogen und getimt. Keiner konnte sich vernachlässigt fühlen. Dass die Jungs aus Arizona keine Männer der großen Worte sind, ist hinlänglich bekannt und sie brauchen ihre Musik auch nicht mit unnötigem Geschwätz á la „It´s Good To Be Here“ beschweren. Ihre Stärke liegt im zweistimmigen Gesang und den unglaublichen Melodien, die sie aus dem Ärmel schütteln, als sei es das normalste der Welt. Dankbar sog das Publikum diese Show in sich auf, wollte mehr und bekam mehr.

Jimmy Eat World sind noch besser geworden, als sie es eh schon immer waren. Jim Adkins scheint sein Ventil in ungelenken Zuckungen auf der Bühne zu finden, eine Geste mit so viel Charme und ohne falsche Attitüde des harten Rock´n´Rollers. Denn das sind Jimmy Eat World sicherlich nicht, auch wenn ihre Musik das verspricht. Es sind einfach vier Jungs aus Arizona, die so normal und langweilig sind, dass man es für eine Maske halten könnte. Aber trotzdem sind sie in der Lage die Sterne vom Himmel zu holen und sie in den Augen des Publikums wieder erstrahlen zu lassen. Dafür möchte ich ihnen danken und dafür, dass sie mich wieder die Schmetterlinge spüren lassen..... Wie sie das machen? Ich weiß es nicht. Vielleicht so: Die Musik ist der vollkommenste Typus der Kunst - Sie verrät nie ihr letztes Geheimnis (Zitat: Oscar Wilde).

Kleine Anmerkung am Rande: Liebe Polizei Köln, auch wenn wir (meine Begleitung und ich) vielleicht wie Drogen- und Menschenschmuggler aussehen, uns bei der Alkohol-Kontrolle nicht ganz normal benommen haben und unsere Ausweisfotos nicht die vorteilhaftesten sein mögen: 20 Minuten Warten war einfach zu hart!

(Sandra Zapke CT das radio)

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