Konzertschau

I'm From Barcelona - Köln, Gloria
9. Dezember 2006

"I´m gonna sing a song with all of my friends / And we´re all from Barcelona / Love is a feeling that we don´t understand / But we´re gonna give it to you / We´ll aim for the stars, we´ll aim for your heart / When the night comes / And we´ll bring you love, you´ll be one of us / When the night comes..."

Ist der Anspruch gering, ist die Stimmung gut. Die Formel von I´m From Barcelona ist gleichsam simpel und wirkungsvoll. Die Popsongs können nicht mehr Popsongs sein, die Melodien nicht mehr Melodien, die gute Laune nicht mehr gute Laune. Als ein Hobbyprojekt zum Zeitvertreib von Emanuel Lundgren gestartet (es muss Sommer gewesen sein) wurde inzwischen aus den bis zu 29 Schweden und Schwedinnen so etwas wie das Kintergarten-Kollektiv der schwedischen Musikszene. Eigentlich nur für einen legendären Gig zusammengefunden, geben sie inzwischen europaweit spärlich Konzerte. Kein Wunder, wer bekommt schon vom Arbeitgeber mal einfach so frei - denn mit über zwanzig Freunden zu Touren ist nicht gerade ein lukratives Geschäft, so dass unterm Strich von I´m From Barcelona nicht viel mehr als ein freudestahlendes Hobby übrigbleibt.

Dementsprechend waren die etwas schrägen Hippies auch nicht ganz vollständig angetreten - trotzdem konnte sich die Bühne des Gloria-Theaters in Köln nicht über gähnende Leere beschweren. Gleich fünfzehn Gesangsmikrophone, ein Instrumentarium von Tuba bis Tröte und einundzwanzig in Hippie-Chic gekleidete Schweden. Die meisten trugen Vollbärte oder 70er Jahre Kleidchen mit urigen, viel zu großen Brillen. Ein bunter Haufen, eben mit viel Haar und Humor. Als Anheizer wurden die Seifenblasen-Maschinen auf die höchste Stufe gestellt, das Konfetti eimerweise durch den Raum geschmissen. Dann ging es los mit dem Nonsens-Reigen. Mit "Treehouse", das gleich für Familienpackungen an "Na-Na-Naas" der geschätzten zehn Backgroundchor-Grüppchen auf der Bühne sorgte.

Obwohl es das einzige Deutschlandkonzert der Tour ist, waren gerade einmal 150 Leute im samtbehangenen Gloria anwesend. Und es dauerte zwei, drei Songs, bis die Euphorie auf das Publikum übersprang. Spätestens beim eingecoverten "Like A Virgin" bei "Rec & Play" war aus dem Funken eine Glutwelle geworden. Man hatte auch keine Wahl! Tummelte sich doch die Band wenn nicht auf der Bühne auch gerne im Publikum. Schwätzte ein bisschen rum und hielt einem dann selbst das Mikrophon unter die Nase. Kein Problem, wenn da nur ein zaghaftes Mitsummen zu hören war – unter der Masse an Sängern lässt sich ein Einzelner gar nicht mehr lokalisieren. Unter der Chorälen litten vor allem die Musiker, deren Instrumentenklang kaum mehr als Staffage waren.

Instrumente wurden getauscht, Mikrophone gewechselt, Gastmusiker auf die Bühne gehievt, gesprungen, getanzt, gelacht, Luftschlagen gepustet, Luftballons gepritscht und mitgesungen. Fast ausnahmslos wurden die Songs des Debütalbums gespielt, nur unterbrochen vom neuen Stimmungsmacher "Grizzy Man" (genau so blöd, wie es der Titel vermuten lässt) und "Bält Ros". Die Erkennungshymne "We´re From Barcelona" war der Siedepunkt einer leider zu kurzen, aber infantil-liebenswürdigen Vorstellung, die nur von der gleichnamigen Coverversion der Original I´m From Barcelona-Coverband im Zugabenblock übertroffen wurde. Als wirklich die Grenzen zwischen Band und Publikum verschwammen und man sich auf einmal selbst in einen emotionalen Glücks-Flash gewickelt und mit Kirmes-Ukulele spielend, tanzend und singend statt vor der Bühne AUF IHR wiederfand. (Markus Wiludda, eldoradio*)

Setliste:
1. Intro
2. Treehouse
3. Oversleeping
4. Rec & Play
5. Collection Of Stamps
6. Chicken Pox
7. Grizzly Man
8. We´re From Barcelona
9. The Painter
10. Bält Ros
11. Ola Kala
--
12. Jenny
13. Outro / We´re From Barcelona

Archiv aller Konzertberichte

radiobar