Konzertschau

Hurricane 2007 [Festival] - Scheeßel
22. Juni 2007

Crowd-surfing strengstens untersagt – das war oberstes Gebot für die Ordner des diesjährigen Hurricane Festivals. Hopste dann doch mal einer in Übermut auf die mehr oder weniger ausgestreckten Hände der Menge, guckten die Herren vom Security Team gleich ziemlich muffelig. Die Strafe für Verstöße: 24 Stunden Platzverbot. Ziemlich hart – soo lange geht das Festival ja schließlich auch nicht. Aber: Die meisten schweren Verletzungen auf Festivals kommen nachweislich von Unfällen beim crowd-surfen. Deshalb haben die Veranstalter des Hurricane Festival in diesem Jahr hart durchgegriffen.

Na gut, nicht bei allen – als Bassist Dirt von The Bravery sich von der Bühne kippen ließ um sich von seinen Fans auf Händen tragen zu lassen, knipsten die Aufpasser noch mal ein Äuglein zu. Und die Besucher der Hurricanes fanden es sowieso super. Da konnte auch der ein oder andere penetrante Regenschauer mit Matschfolge nichts dran ändern. Für Festivalbesucher quasi am frühen morgen, fand am Samstag um 14 Uhr der Auftritt von The Bravery zwar nicht gerade zur Prime-Time statt, hellte aber so manch begossene Pudel-Mine wieder auf. The Bravery zeigten ihren old-school-mäßigen, mitreißenden und entzückenden Indie-Rock und animierten ordentlich zum hochspringen und mitschaukeln. So soll das doch auch sein.

Das hatte am Freitag kaum eine andere Kapelle so gut hinbekommen. Fanta Vier und Beastie Boys hatten ihre Fans immerhin zum Kopfwippen und Mitsingen verleitet. Etwas beschaulicher ging es dagegen auf der Nebenbühne mit „The Good The Bad And The Queen“ zu. Hier konnten die Zuhörer ehrfürchtig der glasklaren Stimme von Damon Albarn lauschen. Träumerisch, mit Gänsehauteffekt und durchaus auch zum mitgehen präsentierten sie ihre Lieder – begleitet von drei bildschönen Violistinnen. Wie erwartet einfach zum Genießen.

Eine dicke Portion Rock und eine kochende Menge hatte man hingegen von Queens of the Stoneage erwartet. Aus der Menge kam dann aber manchmal nicht mehr als ein vorsiedendes Blubbern. Wer weiter weg von der Bühne stand, konnte die Stimme von Sänger Josh Homme in dem Gitarren-Mischmasch kaum ausmachen. Lediglich altbekannte Songs wie - „The Lost Art of Keeping a Secret“ oder „Go With The Flow“ entschädigte die Menge wieder für die ohrenscheinlichen Soundprobleme.
Ihren eingefleischten Fans trieben die Queens trotz allem Freudentränen in die Augen, die gar nicht mehr genug bekommen konnten und deshalb auch mit einer Zugabe beglückt wurden.

Eine kräftige Portion dunkler unter den schwarzen Regenwolken wurde es nach frischem Indie-Rock von Bloc Party und Incubus noch einmal am Samstagabend. Die beiden blutroten Streifen vor dem schwarzen Hintergrund ließen auch den bierseligsten Festivalbesucher ahnen wer da gleich in Fleisch und Blut vor ihm stehen würde. Die Atmosphäre hätte kaum dunkler und gespannter sein können. Weiß geschminkt mit rotumränderten Augen gab sich Marilyn Manson die Ehre und präsentierte neben alten Krachern auch Lieder von seinem neuen Album. Den scheinbar vollzählig vor seiner Bühne versammelten Festival-Besuchern schenkte er noch einen Ausblick auf sein blasses Hinterteil. Na dann Sweet Dreams. (Katrin Schleiting, eldoradio*)

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