Konzertschau

Gabriel, Peter - Dortmund, Westfahlenhalle1
5. Mai 2004

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Grown Up?

Wir sind zu spät an diesem Mittwochabend, so dass wir die Vorband von Herrn Gabriel verpassen. Aber eigentlich ist das nicht wirklich schlimm, da der gute Mann üblicherweise Künstler seines eigenen Labels Realworld mit auf Tour schleppt, die mal aus Usbekistan oder Zentralafrika oder sonst wo aus der Welt kommen. Also, wir die Halle betreten verhallen die letzen Töne von Sizer Barker die diese zweifelhafte Ehre diesmal zugute kommt. Wir suchen unsere Plätze und setzten uns. Es mag an dieser Stelle erwähnt sein, dass links und rechts von uns nur Leute sitzen die gut und gerne meine Eltern sein könnten, was immer wieder verwundert, denn die Tracks seines letzten und immer noch aktuellen Albums remixten keine geringeren als als ein gewisser Trand Raznor und seine Nine Inch Nails und Elbow, welche ja eigentlich auch ein Jüngeres Publikum ansprechen sollten.

Aber egal, wir sind ja nicht hier um uns mit dem Sitznachbarn zu solidarisieren oder Freundschaften fürs Leben zu schließen, sondern um Peter Gabriel auf seiner Still Growing Up Tour beim Tourauftakt in der seit Monaten ausverkauften Westfahlenhalle zu bewundern.

Die Zeit verstreicht, es ist bereits 20:30 und Herr Gabriel hat immer noch nicht die Bühne betreten und das doch etwas ältere Publikum überrascht durch La-Ola-Wellen, die unermüdlich durch die Halle getrieben werden. Kurz vor 21 Uhr ist es dann endlich soweit, der kleine Mann, der in den letzten Jahren der Abstinenz eindeutig einiges an Gewicht angesetzt hat, betritt, ganz in schwarz, die kreisrunde, weiße Bühne in der Hallenmitte, die Saalbeleuchtung bleibt an.

Nachdem das Publikum freundlich zu allen Seiten begrüßt worden ist, begibt er sich hinter sein Keyboard und beginnt. Hier kommt die Flut auf Deutsch zu singen, Stille kehrt in der Halle ein. Während des Songs beginnt sich die Bühne langsam zu drehen.
Danach geht das Licht in der Halle endlich aus und die Band betritt die Bühne bis auf … wo ist das Schlagzeug?
Es wird Darkness intoniert, helle Blitze und eine laute E-Gitarre von David Rhodes durchzucken die Halle. `Will I alow to let it in´ singt Peter Gabriel und vielleicht ist damit auch die Frage gemeint, ob jeder der Anwesenden sich heute Abend auf des Meisters Lebensstil einlassen wird, denn wie schrieb die Süddeutsche Zeitung schon im vergangen Jahr:

„Der Engländer Peter Gabriel ist 53 Jahre alt und ein Kind? Er ist ein Kindskopf.

Gesagt werden darf das nur mit der Wertschätzung dafür, dass auch bei einem brillantbegabten Künstler wie Gabriel der leichtere Weg der übliche Zynismus wäre, mit dem man heutzutage im Fahrenden Gewerbe und sonstwo eine große Nummer wird oder eben bleibt: Gabriel aber, obwohl ihm die Einsicht zum Zyniker gelänge, ist nie einer geworden. Vielmehr müht sich dieser Seelenforscher sehr darum, verstanden zu werden, so dass man nach einem nahezu dreistündigen Konzert das Gefühl hat, nicht einem kleinen Kinde beim Winken mit dem Zaunpfahl zugeschaut zu haben. Sondern einem großen beim Winken mit dem ganzen Zaun.“ (SZ 28.04.2003)

Song vorbei, Zeit sich neu zu orientieren, alle Instrumente auf der werden verschoben, umgerückt und siehe da: Ein Schlagzeug wird in der Mitte der Bühne aus einem kleinen Häuschen entpackt und ebenfalls umplatziert, dass geschieht im übrigen nach fast jeden Song.
Nun folgt `Secret World´ mit einem riesen Gitarrensoli und `White Ashes´ was Peter als Weltpremiere ankündigt: „Wir haben diesen Song noch nie Live gespielt, ihr seit heute Aned als die ersten die ihn zu hören bekommen.“

Das nächste Highlight folgt sogleich, denn auf der Bühne werden weiße, gesichtslose Papfiguren aufgestellt, die anstelle des Herzens ein Fadenkreuz wie eine Zielscheibe haben. Aus der Mitte der Bühne steigt Peter Garbriel mit seiner Tochter Melanie
auf zwei dieser neuen Roller wie sie die amerikanische Polizei auf mittlerweile beuzt empor
und rollen zu ‚Games without Frontiers` durch die Pappkameraden, sehr eindrucksvoll besonders im Hinblick auf die momentane Krisensituation in der Welt.

Jetzt kommt der einzigste neu Song den Peter ende letzten Jahres auf seinem Best of Album Hit veröffentlicht hatte „Burn you up – burn you down“ gefolgt von dem legendären
„Downsite Up“ wobei Peter und Melanie plötzlich gemeinsam auf die Bühnenmitte zugehen und sich an die ihnen inzwischen entgegengekommenen Oberenbühnenkonstrucktion hängen
und an dieser kopfüber entlanglaufen.

Was jetzt kommt erinnert stark an die schon genannten Nine Inch Nails. ‚The Tower that ate People´ kündigt sich mit einem tosenden Industial-Intro an und bahnt sich laut krachend seinen Weg durch die Halle. Besser hätte es Trend Reznor auch nicht machen könne.

Und dann wird es dunkel in der Halle, Peter Gabriel kündigt San Jacinto an und auf einmal brechen lauter Lichtblitze die Halle. Das ganze erinnert irgendwie an Fom Dusk till Down, wo beim Sonnenaufgang die Wände durchlöchert werden und die Sonne nur so hindurchschießt und die Vampiere Tötet. Am ende steht Peter in der Mitte der Halle auf einer Erhöhung und reißt einen Spiegel in die Lichtblitze.

Die ersten Töne von ‚Digin’ in the Dirt’ erklingen und das Publikum erblickt den Zork an der Hallendecke. Der ganze Song kommt sehr rockig ähnlich wie ‚The Tower that ate people’ daher und war auch schon im vergangen Jahr an selber stelle im Programm zu finden.

Der Zork, einer dieser riesigen Bälle aus Plastik in die man Hineinsteigen kann um z.B.
Berge hinunterzurollen wird nun ganz auf die Bühne hinuntergelassen und Peter steigt hinein.
Es folgt schon wie zu erwarten ‚Growing up’. Peter rollt mit dem Zork über die Bühne und hüpft mit diesem beim Refrain auf und ab und schafft es dabei immer noch zu singen.
Das finale des Songs gipfelt darin, das Peter im Zork David Rohdes während dessen Solo verfolgt und ihn im wahrsten sinne des Wortes am Ende niederstreckt!

Nun folgten die HIT’s im Set Solsbury Hill wobei Peter mit seinem Fahrrad immer wieder über die Bühne rauscht und Sladgehammer wo wiederum wie schon im vergangenen Jahr Peter Jacke mit Hunderten von kleinen Lichtern zum Einsatz kommt und das Publikum tobt!
Bei Solsbury Hill sieht man einen mittlerweile 54 Jährigen Peter Gabriel hinter seinem Keyboard auf- und abspringen – RESPEKT!

Nun kommen wir schon fast zum Ende der Show die Oberebühnenkonstrucktion fährt zu den Klängen von `Signal to Noise´ langsam herunter und begräbt die Band im wahrsten sinne des Wortes unter sich.

Doch die Masse hat noch nicht genug und so hört man schon bald das scheppernde Intro von `In your Eyes´ und die Oberebühne erhebt sich wieder und gibt die Band frei. Wie üblich ist bei diesem Song auch der Support wieder dabei!
Das Konzert Endet schließlich mit Red Rain und fast so wie es angefangen war nach gut 2,5 Stunden. Peter und Tony Levin spielen ‚Father, Son´ und dann geht auch schon wieder das Licht an.

(Oliver Sauer, OS Radio)

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