Konzertschau

Femi Kuti & The Positive Force - 34. Festival Moers
14. Mai 2005

Obwohl die "African Dance Night" indoor stattfindet, war es in dieser Sonntag-Nacht bitter kalt in Moers, hatten die Veranstalter doch tatsächlich die Fluchttore der Eissporthalle aufgelassen, so dass der Wind munter durchpfeifen konnte und die Eissporthalle ihrem Namen - auch ohne Eisfläche - alle Ehre machte!

Nichts desto trotz harrte eine ansehnliche Menge der Dinge die da kommen mögen und hielten sich mit mehr oder weniger gekonnten Tanzeinlagen warm. Headliner des Abends war Femi Kuti, der Mann, der - in Vertretung seines Vater Fela - bereits mit 17 Jahren in Moers auf der Bühne stand, weil dieser in Nigeria inhaftiert worden war, um zu verhindern dass Fela Kuti bei den anstehenden Wahlen gegen das Regime kandierte. Selbstredend das der politische Kampf seit jeher einen wesentlichen Bestandteil in der Musik Femi Kutis einnimmt. Während seine Mutter erschlagen und sein Vater mehrfach inhaftiert wurde, befindet sich Femi Kuti in der ´glücklichen´ Situation sich frei bewegen zu dürfen. Beschützt durch seinen internationalen Ruhm beschränkt sich die nigerianische Obrigkeit dieser Tage auf die Überwachung seines Clubs ´Africa Shrine´. In eben jenem Club der nigerianischen Hauptstadt Lagos, in dem auch die aktuelle DVD/ CD "Live at the Shrine" entstand und die eines seiner legendären Konzerte während der regelmäßigen "Sunday Jump"-Parties dokumentiert.

Die Erwartungen waren also dementsprechend groß als Femi Kuti zusammen mit seiner Band The Positive Force zu fortgeschrittener Stunde die Bühne bestieg: Nach kurzem Vorgeplänkel fallen dann aber doch recht schnell die Anspannung vom Publikum ab und weichen grenzenloser Begeisterung - spätestens als Femis Tänzerinnen in extrem kurzen Outfits beginnen die Menge anzuheizen und somit den Weg für den Auftritt des Bandleader vorzubereiten. Dieser bedankt sich dann auch gleich für das ausharrende Publikum mit ein paar schmissigen Bläsersätzen aus der Schule des Afro-Funks, welche sein Vater einst begründete und auch heute noch eine unwiderstehliche Wirkung auf die Beine des Hörers ausübt!

Immer wieder unterbrochen von dem ein oder anderen politischen Statement zeigt sich Femi Kuti als begeisternde Entertainer, der auch trotz der klirrenden Kälte nicht davor zurückschreckt wie gewohnt sein Hemd auszuziehen und der Menge seinen Astralkörper zu präsentieren. Dampfend entweicht der Schweiß seinem Körper und zeugt vom dem hitzigem Spiel des Nigerianers, der von Festivalleiter Burkhard Hennen zu Recht als "auf dem Höhepunkt seines Schaffens" angekündigt worden war.

Als Femi Kuti dem Publikum dann auch noch die Bedeutung seines Hits "Beng, Beng, Beng" erklärt und an die jungen Männer in der Eissporthalle Moers noch ein paar gutgemeinte Ratschläge verteilt wie man seine Libido verbessern kann, scheint der Höhepunkt des Abends gekommen; und so zogen die Besucher der wohl letzten "African Dance Night" gegen 3 Uhr morgens(!) glücklich und zufrieden von dannen - in die kalte, dunkle Nacht. (Felix Grimm, CT das Radio)

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