Konzertschau

Editors / T-Raumschmiere / Koufax / Figurines - Köln, Geb.9
15. September 2005

Einmal mehr füllte sich an diesem Abend der liebenswert siffige Hinterhof des Gebäude 9 mit jeder Menge gut frisierter Indie-Rock-Kinder und all ihren knuffigen Buttons. Grund dafür war ein weiteres Intro Intim an diesem verregneten Donnerstagabend.
Neben der Intro selbst lud die StadtRevue Köln zu einem süffisanten Konzert-Vierer.
Auf der Gästeliste standen die schnuckeligen Dänen um die Figurines, die ihre zweite Platte "Skeleton" vorstellten, sowie Koufax, welche mit ihrem neuen Longplayer "Hard Times Are In Fashion" aufwarteten. Dann durften die Editors zeigen was sie seit der Veröffentlichung ihres Debüts "The Black Room" im Sommer dieses Jahres schon an Live - Erfahrung gewonnen haben und vorzuzeigen bereit waren. Komplettiert wurde der Abend dann durch T. Raumschmiere mit anarchischen Songs des aktuellen Albums "Blitzkrieg Pop".

Ein allemal spannendes Programm, welches jedoch aufgrund der verzögerten Ankunft der Editors noch ein wenig auf den Beginn warten ließ. Genug Zeit also mit einigen der Bandmitglieder im kuscheligen Barraum ein paar Worte zu wechseln, Zigaretten zu drehen oder Merchandiseartikel zu shoppen.
Gegen zweiundzwanzig Uhr fiel dann jedoch der Startschuss und es durfte gerockt werden, bitte. Den Anfang machten die Figurines. Mit großem Geschütz wurde da aufgewartet, nicht nur eine optisch ansprechende Band betrat da die Bühne, nein mit ihnen kamen gleich drei (!) Gitarren. "Ui!" dachte man sich da und schnalzte schon die Zunge vor lauter Vorfreude auf treibende Beats und chice Riffs. Bei der Besetzung der Band hatte sich einiges getan, ihren eigenen Bassisten Andreas Toft haben die Jungs daheim gelassen, seinen Job übernahm Rob Pope von Koufax, des weiteren half ein unbekannter, erschreckend hübscher Däne den Jungs mit den Gitarren aus und steuerte zugleich Keyboardsounds bei.

Leider relativierte sich die Vorfreude schnell, denn auf "fetten Sound" musste man vergeblich warten. Statt dessen schaute man den Gitarristen, mit Ausnahme des Frontmanns, während des gesamten Auftritts dabei zu, wie sie recht hilflos ihre Klampfen immer und immer wieder stimmten. Eigentlich kein großes Problem sollte man meinen, macht man halt ein kleines Päuschen, bringt alles in Ordnung, entschuldigt sich brav beim Publikum und setzt dann zu einem zweiten Versuch an die hübschen Songs erblühen und das Publikum springen zu lassen.
Nur war das nicht das Mittel der Wahl des Frontmanns Christian Hjelm. Dieser machte einfach seine eigene kleine Show, dramatisch vertiefte er sich ganz in die Gefühle des jeweiligen Stücks, wechselte zwischen herzzerreißendem Leid und wahnsinniger Manie. Trällerte selbst verliebt immer ein wenig neben dem richtigen Ton. Zwischendrin trieb er die anderen zum weitermachen an und schon kam er der nächste irgendwie nicht richtig schmissige Song.
So beachtenswert die Ego-Show Hjelms auch war, so negativ wirkte die fehlende Kommunikation innerhalb der Band auf die Show. Die richtige Lust auf die Songs blieb ebenso wie die aufs Tanzen irgendwo zwischen Hjelms Kinskidarbietungen und den verstimmten Saiten der Band auf der Strecke.

Grund es besser zu machen hatten Koufax danach also genug. Und genau das taten die Amerikaner auch, ganz unkompliziert und unverkrampft spielten sie Song des aktuellen Albums "Hard Times Are In Fashion", aber überraschenderweise noch mehr von der älteren Scheibe "Social Life". Schwierig eigentlich zu beschreiben, was dennoch nicht so richtig den Funken überspringen ließ, die Setlist war einwandfrei. Vielleicht hatten Koufax nur die leidige Pflicht das Eis zu brechen, welches zwischen Künstler und Publikum entstanden war. Ein wenig Skepsis schwang da ungewollt aber merklich fühlbar im Raum zwischen Band und Besuchern hin und her. War man doch ein wenig enttäuscht von der Echtheit der Gefühle, die da über die Songs vermittelt werden sollten. Das darauf Einlassen gestaltete sich eigenartigerweise schwierig.
Letztendlich aber haben es die Amerikaner geschafft, das Ruder noch einmal herumzureißen. Ein Entzug war dank der wundervollen Stimme Robert Suchans und dem atmosphärischen Keyboardspiel eines Jared Rosenberg gar nicht möglich.

Als man draußen im Regen daraufhin ein wenig frische Luft schnappte und Letzteren dabei beobachtete, wie er ein - nun sagen wir mal - "etwa" gleichgroßes Mädel klarmachte, begann man unfreiwillig damit zu spekulieren, wie es jetzt wohl weitergeht. Wenn man es in Betracht gezogen hätte, eine Aussage zu treffen, ob das bisherige Programm nun mitreißend oder eben nichtig gewesen sei, man müsste wohl mit dem Achseln zucken. In gewisser Weise war jetzt alles offen. Die kühle Abendluft knisterte förmlich um einen herum und es roch nach Wendepunkt, nur wo sollte es jetzt hingehen?

Die Antwort darauf folgte auf dem Fuße, denn schon bald heizten einem die Editors so mächtig ein, dass man besagten auch wenn man es denn wollte, unmöglich hätte stillhalten können. Es war ein wahres Spektakel. Unkontrolliert wanderte die Gitarre John Smiths immer wieder hinter dessen Kopf, er war ganz tief drin in seinen Songs, in seiner Performance. Im Gegensatz zu den Figurines war jedoch die gesamte Band mitgerissen und bot somit nicht nur akustisch sondern auch visuell ein harmonisches Ganzes. Mit einer Träne der Verzückung im Auge musste man unweigerlich an Franz Ferdinand zurück denken, ohne jedoch in der Lage zu sein allzu direkte Vergleiche anzustreben. Eines war zumindest offensichtlich, es passierte genau das, was sich eine Band nur wünschen kann der Funke sprang über und plötzlich gelangten Melodien direkt in Herz und Bein. Den Editors sein Dank!

Eher ins Bein, als ins Herz ging einem dann das letzte Konzert des Abends. Die tätowierten Anarchisten von T. Raumschmiere machten sich auf den durchweg rockigen Abend eine neue Richtung zu geben. "T-Shirts aus!" und Weg frei für ruppige Elektronik, lautete die Devise. Knallige Visuelles und clashige, stets ähnlich hämmernde Beats gab es da auf die Ohren. Schluss mit klaren Songstrukturen hieß es und verschwitzte T-Shirts flogen quer durch den Raum. Bei vielen waren es aber auch die Nerven, die sich verabschiedeten und so splittete sich jetzt das Publikum. Übrig bleiben nur diejenigen, die sich wild auf die elektrisierende Mixtur aus Songfetzen und technoidem Rock einließen. Kaum jemand der Übriggebliebenden stand nunmehr still, es formierte sich vielmehr ein animalisch pulsierender Haufen aus Tanzenden, der in seiner Gesamtheit perfekt mit den rohen, kantigen Soundfragmenten von T. Raumschmiere zu harmonisieren begann. Schon bald fühlte man sich eins mit der Musik, nichts anderes um einen zählte mehr. Entfesselte Klänge völliger Hingabe peitschten die Stimmung hinauf zu einer frenetischen, fast greifbaren Ekstase. Euphorisch erfolgte somit auch das Ende eines durch und durch gelungenen Abends - eine richtige Zugabe jedoch gab nur T. Raumschmiere. (Michael Pagels, eldoradio*)

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