Konzertschau

Dúné - Köln, MTC
1. April 2007

Feel free to dance! Die Einladung des blondgelockten Jünglings auf der kleinen, aber feinen Bühne des MCT in Köln schien das 30-Menschen-Mini-Publikum überhört zu haben. Nur eins, zwei oder drei Menschen in der ersten Reihe hatten keine Hemmungen, sich zu bewegen. Hier und da sah man ein paar wippende Füße und verhalten nickende Köpfe.

Die Aufforderung von Mattias Kolstrup, dem 18jährigen Sänger der dänischen Indie-Elektro-Rock-Band Dúné (sprich: Dü-nee), war eigentlich überflüssig. Ich jedenfalls konnte gar nicht still stehen und ließ meine Beine zucken und zappeln, wie sie wollten. Und sie wollten! Diese Mischung aus Sixties-Rock, Punk, 80er-Jahre-Synthie und dem, was wir heute Indie nennen, mit ihrem treibenden Beat trieb einfach zum Tanzen. (Nicht umsonst betiteln Dúné ihre Songs mit "A Blast Beat" oder "Robot Beat") Vielleicht hatte sich der Rest des Publikums vor dem Konzert gegen das Dúné-Virus impfen lassen und war resistent – oder aber er war einfach zu schüchtern, um zu tanzen. Warum auch immer – am besten, am spektakulärsten oder aber auch am ungehemmtesten bewegte sich Keyboarder Ole. Hätte er nicht auf der Bühne gestanden und ich ihn draußen auf der Straße irgendwo getroffen und mich so angestiert, wie er das Kölner Publikum aus seinen mit Kajal umrandeten Augen anschaute, dann hätte ich wahrscheinlich Angst bekommen. Die anderen Bandmitglieder wirkten hingegen nicht ganz so ausgeflippt. Mattias Kolstrup stand souverän hinter seinem Mikrofonständer und schien alles im Griff zu haben. Ein geborener Rockstar (und Mädchenschwarm), der zwischendurch die zu langen Haare aus der Stirn strich und natürlich meistens mit geschlossenen Augen sang. Die Keyboarderin Cecilie, das einzige Mädchen in der Band, guckte manchmal etwas skeptisch in das kleine Kölner Publikum und schien dann ein Grinsen nicht unterdrücken zu können. Vom Schlagzeuger sah man, wie das ja nun mal bei Schlagzeugern immer so ist, eher wenig. Aber wenn man einen Blick auf ihn erhaschen konnte, dann sah man in ein „hoch-konzentriertes“ Gesicht. Die Goldmedaille für Gesichts-Verzerrungs-Akrobatik macht Malte Aarup-Sorensen niemand streitig. Die Gitarristen Simon und Danny und der Basser Piotrek blieben eher im Hintergrund.

Ein bisschen schüchtern wirkten sie. Doch hier schrömmelte keine Schülerband, wie man auf den ersten Blick hätte annehmen können, als sie zu siebt auf die Bühne kamen. Dúné spielten in Dänemark auf dem Roskilde-Festival und füllten in ihrem Heimatland, wenn man der Presse glauben darf, bereits „beachtliche Hallen“. Die scheinbare Unsicherheit war wohl eher sympathische Schüchternheit. Die sieben dänischen Teenager spielten souverän. Offensichtlich steckte im Auftritt auch eine gut einstudierte Choreografie. Wenn alle sieben auf einmal in einer Reihe standen, schien das einfach so passiert zu sein und wirkte nicht wie abgesprochen. Die Choreografie war so gut, dass nach dem letzten Lied – als der Sänger das Kabel aus dem Mikro riss (also, ausstöpselte, hier wurde nichts kaputt gemacht wie bei „echten“ Rockern!) und die ganze Band bis auf die beiden Keyboarder, die noch ein eindrucksvolles Keyboard-Synthesizer-Solo spielten, „backstage“ verschwand – sich kein einziger Däne mehr auf die Bühne blicken ließ. Eine Zugabe gab es auch nicht. Zugegeben: Das tanzfaule Publikum hatte auch keine verlangt. Ich hingegen hätte gerne eine gehabt...

Man kann nur hoffen, dass Dúné nicht so „durchstarten“ werden wie Pete Doherty und Co., das Rockerleben in vollen Zügen genießen und mit 25 ihre Karriere in der Entzugsklinik beenden müssen. Im MTC sah man an diesem Abend zumindest nur Wasser und Energy Drinks auf der Bühne – und keinen Alkohol. Die (werdenden) Rockstars, die ihre schwarzen engen Röhrenjeans im Sparpack gekauft zu haben schienen, wissen jedenfalls, wie man echten Rock’n’Roll macht, der nicht unbedingt auch sex and drugs braucht. Egal, was sie trinken oder was sie anziehen: Diese Band weiß, wie gerockt wird und wie man die Menschen zum Tanzen, Hüpfen und Springen, Zucken und Zappeln bringt. Auch wenn in Köln nicht so rechte Tanzlaune aufkommen wollte. Vielleicht braucht es einfach noch ein bisschen Zeit, bis Dúné die Clubs erobert haben werden. Sie sind ja noch jung. Wir dürfen jedenfalls einiges erwarten. Und vielleicht beim nächsten mal auch eine Zugabe! (Anika Odenbach, eldoradio*)

Band: http://www.myspace.com/dunesite

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