Konzertschau

Danko Jones / Quit Your Dayjob - Essen, Zeche Carl
8. März 2005

Mein lieber Herr Gesangsverein, das Konzert beider Bands einen Tag zuvor in Kölns Live Music Hall hatte mich schon leicht lädiert hinterlassen, aber als Frau gibt man sich ja keine Blöße. Optimistisch betrat ich, charming Sandra im Schlepptau, die fast menschenleere Zeche Carl, die sich später aber noch ordentlich füllen sollte.

Ich wusste ja schon, was für eine großartige Performance die Schweden von Quit Your Dayjob hinlegen würden. In Köln war kommentartechnisch von ´schrecklich´ bis ´grandios´ alles dabei. Gespannt wie ein Flitzebogen war ich auf Sandras Reaktion, denn die konnte mit deren EP nicht wirklich was anfangen. Jonass, Marcass und Andreass betraten die Bühne und legten mit ´The Freaks are out´ los. An Sandras Gesicht konnte ich sofort ablesen, dass auch sie nun zur Armee der Freaks gehörte. 20 Minuten zündeten die drei ein Feuerwerk an Absurditäten und Spaß. Bei ´Coconut´ bewarfen sie uns mit Schokolade und vergaßen es auch nicht die anwesenden Damen zu begrüßen, denn schließlich war gerade Weltfrauentag. Leider blieb Keyboarder Marcass angezogen, in Köln ließ er sich noch in Unterhose auf der Bühne bewundern. Das Essener Publikum war begeistert und Sandras Lieblingskommentar: ´´Wie geil ist das denn´ fasst diese triumphale Show bestens zusammen. Sweden 12 points!!!

Die Umbaupause eignete sich hervorragend, um über das anwesende Publikums-Volk zu lästern, vom alternden Rocker um die 40 bis zum Vin-Diesel-Lookalike war alles dabei. Aber dann: Musik erklingt und drei Gestalten in Schwarz betreten die Bühne, Zeit für Rock ´n´ Roll vom feinsten. Danko Jones spielen zum ersten Mal in Essen, aber an der Reaktion des Publikums wird schnell klar, hier kennt sie jeder. Und auf die Ohren kriegen wir alles, von ´Play the blues´, ´Cadillac´, ´Lovercall´, ´Bounce´ bis zu ´Woogie Boogie´, ´I´m alive and on fire´ und ´Sound of Love´, bei dem sich textliche Änderungen ergeben. Denn nun heißt es: ´I used to rock it with a black hat´ und ´Everytime we see you, we get a little hotter´. Charming wie immer, der Herr Jones.

as Publikum kriegt heute abend auch noch sein Fett weg, denn die Halle wird spontan aufgeteilt. Auf dem Balkon ´the old people´, hinten ´the late people´ und in den vorderen Reihen ´the crazy people´. Auch mich hält es nicht lange in der Mitte, entgegen meiner ursprünglichen Absicht stürze ich mich dann doch direkt in die erste Reihe. Bei ´Dance´ fliegt die mühsam gezüchtete Mähne und bei ´I love living in the city´ brennen die Schlappen. Drummer Damon zeigt hier sein verborgenes Talent, denn neben unglaublichen Fähigkeiten an den Fellen kann er auch noch außerordentlich gut singen. Und was besonders imponiert, ist seine charmante Art einen Defekt an den Drums zu überspielen: er spielt einfach lässig mit einem Bein in der Luft weiter. Das ist Rock ´n´ Roll.

Zum Ende nimmt uns Danko wieder einmal mit auf den ´Mountain´ und ein weiteres Mal graben sich die Worte: ´This heart gets stronger, this skin gets thicker, this mouth gets louder´ tief in Herz und Hirn. Diese Band lebt für ihre Musik, das spüren in diesem Moment alle. Zum ersten Mal aber schwächelt Danko, denn das Publikum haut ihn um. Auch ich kann nur sagen, dass Essen ein zauberhaftes Publikum war.

Zwei Zugaben gibt es noch und mit ´Get outta town´ verläßt die Band die Bühne. Damon wirft zur Krönung die Sticks in die Luft und beim Versuch einen der beiden aus der Lichtanlage zu befreien, verabschiedet sich auch der zweite. Wie sagt es Sandra so schön: ´What you see is what you get´. Und sehen sollen wir an diesem Abend bei einigen Backstage-Bierchen mit Quit Your Dayjob noch so einiges!!!

Katrin Jungmann, CT das radio

P.S. Eine detaillierte Beschreibung findet sich im Musikschrank.

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