Konzertschau

Caputo, Keith (Radiokonzert) - Münster, Cubanoca
3. Mai 2006

Das Unwichtigste gleich zu Beginn: Wer bei unserem exklusiven Radiokonzert
im Cubanova mehr als zwei Meter von der Bühne entfernt stand, hatte
Eindruck, dass die Stimme von Keith Caputo vom Band kam. Dem war nicht so.
Er war da höchstpersönlich. Aber angesichts der großzügig geschätzen 1,50m
Körpergröße des Sängers der Brooklyner Crossoverlegende "Life of Agony"
sollte es für die zahlreich Betroffenen erst nach dem Konzert eine echte
Chance Mr. Caputo leibhaftig zu Gesicht zu bekommen.

Nun zum Wesentlichen.
Das ist bei Keith Caputo sicher die unverwechselbare Stimme. Rauh, aber auch
sanft und immer herrlich melancholisch leidend. Leider war diese leicht
angeschlagen, so dass sich der gute Keith in Gedanken stets bei seiner
grade erst begonnenen Europatour zum Teil vornehm zurückhielt. Nicht weniger
fulminant trotz dessen der Auftakt mit der Hymne "New York City" vom letzten
Soloalbum "Died Laughing". Das sollte nicht darüber hinwegtäuschen das Keith
Caputo dazu angetreten war, dem Publikum sein jüngstes Werk "Hearts Blood On
Your Dawn" näher zu bringen. So bestand die Setlist im Wesentlichen aus
unbekannten Songs, deren Magie dennoch mächtig wirkte. Knistern in der Luft
bei "I wanna fly" und "Monkey". Das Charisma des kleinen Mannes hätte locker
für die Halle Münsterland ausgereicht.

Nach anfänglichen Granteleien
bezüglich der technischen Ausstattung im Cubanova(nähere Informationen dazu
gibt´s auf Anfrage bei Britta oder Technikmann Fabian, die der Verzweiflung
recht nahe kamen), versöhnte sich Keith Caputo zusehends mit den
Gegebenheiten. Ein Verdienst der höchstkooperativen Zuschauer(und natürlich
Brittas und Fabians). Egal, ob es um gesangliche Unterstützung ging oder es
dem Meister nach einem Glas Rotwein gelüstete. Willfährig bekam er diverse
Refrains gesungen und Getränke gereicht. Für das Finale sparte sich der
Gernegroß zwei besondere Feinheiten auf. Zu meinem persönlichen Favoriten
"Selfish" reichte er das Geständnis, den Song unter dem unmittelbaren
Einfluss bewusstseinserweiternder Drogen geschrieben zu haben(Mushrooms,
probiert es doch mal selbst). Den Abschluss machte der "Life of
Agony"-Klassiker "Let´s Pretend". Jubel im Herzen also auch bei den Fans aus
alten Zeiten. Das war es dann fast gewesen. Wenn nicht die Euphorie aus dem
Saal offensichtlich in den Backstagebereich geschwappt wäre. Das Licht war
schon angegangen, da schlich sich Keith Caputo zurück auf die Bühne und
lieferte zwei Songs als Nachschlag.

Der Ankündigung nach dem Konzert frisch
erstandene Silberlinge zu signieren kamen Caputo und seine Band ohne Zögern
nach. Wie beobachtet wurde machte der zerbrechlich wirkende Sänger sogar
seine Drohung war, jede Frau zu küssen, die neuestes Werk erwarb. Vielleicht
gab diese Warnung auch den Ausschlag für die letztgültige Kaufentscheidung.
(Daniel Grimm, Radio Q)

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