Konzertschau

Bat For Lashes - Köln, Kulturkirche
17. Mai 2009

Heiliger Abend in Köln. Diese Überschrift habe ich noch in Köln während des Konzerts gedacht. Klar, der offensichtlichste Grund dafür ist der, dass ich in die Kirche gegangen bin. Grund zwei: dort in der Kirche spielten dann Bat For Lashes mit Glöckchen und wurden mit warmem Lichterketten-Licht illuminiert. Viel mehr als das, machten aber die Zauber, die dann passierten den Abend zu einem heiligen.

Zunächst aber eröffnete Marybell Katastrophy. Die dürfte vielen zuerst bekannt sein, als die weibliche Stimme der Tiger Tunes. Wer also entsprechende Erwartungen hatte wurde nicht enttäuscht. Die Musik ist zwar melodischer, harmonischer, weniger schräg als die der Tiger Tunes, aber Madame genauso quirlig. Schön und kurz, wer elektronischen Pop nicht mag musste nur 30 Minuten aushalten.

Dann gings los mit Bat For Lashes aka Natasha Khan mit Bandunterstützung. Album Nummer zwei („Two Suns“) ist grade nen guten Monat raus und hat offenbar viele Ohren überzeugt, denn die Kulturkirche war gerappelt voll und das Publikum eine Mikroversion der Weltbevölkerung. Gemischter geht nicht. Natashas Mutter war übrigens auch da, wie wir später durch eine Song-Widmung von der Bühne erfuhren. Auf der Bühne gab es für diese Tour eine Live-Neubesetzung; jetzt in der Band dabei: Charlotte Hatherley! Hauptsächlich spielte diese düsterste Bassläufe und sang im background, aber auch Keyboard und, ähm, Glöckchenkette? Meine Unfähigkeit Instrumente benennen zu können ist beschämend groß, jedenfalls war das eine Kordel, an der viele Glocken hingen, die wie kleine Vogelkäfige aussahen. Klang gut!
Wo ich grade dabei bin, gespielt wurde außerdem auf einer Schreibmaschine mit Saiten und einer Schublade, die brumm-Geräusche macht. Klingt weird, war es auch. Die Klänge sind betörend, eine gespenstische Welt in die man sich auch nur mit Bat For Lashes traut. Es gibt auch einfach immer was zu gucken, so viel passiert auf der Bühne. Schade für die, die weiter weg standen. Na gut, der Blickfang war ohnehin Natasha im gestreiften Strampler Hosenanzug, der Mode-Blog-Mädchen und GNTM-Gucker in schiere Entzückung versetzen würde. Passte aber absolut in die mystische Märchenreise eines Bat For Lashes Konzerts.

Das Kölner Publikum nahm alles erstaunlich euphorisch auf, der Applaus nicht zu knapp; das waren bestimmt nur Zugereiste. Natasha begeisterte jedenfalls alle, ob sie katzengleich über die Bühne tänzelte und sich ihr Publikum genau besah, dem Schellenkranz alles abverlangte oder Klavier oder Gitarre bediente. Ich war auch wirklich überrascht wie gut ihre Stimme live klingt. Einfach zauberhaft! Perfekt in Szene gesetzt von Glöckchen und Lichterketten, so und nicht anders möglich. Eine Freundin sagte nach der Show zu mir: „Die macht auch keiner so leicht nach. Ich glaube, nur SIE kann auch diese Musik so machen.“ Ja.
(Kristina Budde, eldoradio*)

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