Konzertschau

Art Brut / The Chalets - Oberhausen, Zentrum Altenberg
18. Januar 2006

Als ich an diesem Abend in den Zug Richtung Oberhausen steige, ist mir so gar nicht nach Rock ´n´ Roll. Aber wenn der Insel-Hype Art Brut ruft, sind die Viren vergessen und der müde Körper reckt und streckt sich. Im Zentrum Altenberg angekommen, steh ich vor dem ersten Problem: Wo zur Hölle geht´s in die Halle? Zum Glück hab ich das Problem nicht alleine und so bedarf es der Hilfe einiger lustiger Menschen (um die 40) um diese Aufgabe zu lösen.

In der Halle angekommen erwarten mich Indie-Boys and -Girls soweit mein Auge reicht. Aber glücklicherweise mischen sich da noch einige "normale" Menschen dazwischen. Während sich die Halle füllt, dringt Musik an meine Ohren. Toll: The Jam, da kann nix mehr schief gehen, denke ich! Habe ich aber die Rechnung ohne die beiden Indie-Spacken hinter mir gemacht hinter mir gemacht. Beiden fällt nach einigen Stücken auf, dass da ja The Jam läuft. Genau, und weil das ja eine der besten Bands der letzten 30 Jahre ist, kommt das Gespräch zwangsläufig auf: OASIS!!! Jau, die Gallaghers sind toll, toll, toll und The Jam waren mal so ´ne komische unbekannte Kapelle.

Egal, endlich wird es dunkel. Um kurz nach halb neun kommen The Chalets aus Dublin auf die Bühne. Zwei hübsche junge Damen singen und auch der Rest der Band ist sehr charmant. Iren halt! Lasst es mich so beschreiben: The Chalets schmissen ein Streichholz auf die Bühne und die Halle stand in Flammen. Okay, ich neige zu Übertreibungen, aber ihr 40 minütiges Set war wirklich spitze.

Danach ein kleines Päuschen und aufatmen meinerseits. Die Gallagher-Anbeter verziehen sich mit unbekanntem Ziel. Kurz nach halb zehn ist es, als es dunkel wird und einige Gestalten auf die Bühne huschen. Die Band spielt ein Intro. Ach du Scheiße, ´Enter Sandman´ von Metallica. Und dann stürzt auch Sänger Eddie Argos auf die Bretter. Nach dem ersten Song ´Formed a band´ gibt es einen ganz besonderen Gruß an Mr. ´Drogen-Kate Moss´ Pete Doherty. Wenn er doch so ein Genie ist, warum erträgt er die Welt dann nicht ohne Drogen? Gute Frage, nächster Song. Etwas fällt mir jetzt schon auf. Der Drummer spielt die ganze Zeit im stehen, alle Achtung. Und dann ist da noch der ganz persönliche Running Gag der Band. Vor jedem Song fragt Sänger Eddie: ´Are you ready Art Brut´? ´Bang Bang Rock ´n´ Roll´ und ´Movin´ to LA´ fliegen mir um die Ohren. Kurze Abstecher über ´Movin´ to LA´ von Eddie: "Dieser Song handelt davon sich zu blamieren. Das passiert mir ca. 5 Mal am Tag. Daher kommt auch mein rotes Gesicht, nicht vom Alkohol, okay ein bisschen vielleicht". Darauf einen Lachanfall. Sehr sympathisch. Bei ´My Little Brother´ und ´Emily Kane´ hält mich nix mehr zurück. Cockney hört sich halt immer noch am besten an. Art Brut sind toll, denn sie schenken dem Publikum noch zwei neue Songs, wovon der erste ´St. Pauli´ heißt und der zweite vom kleinen Bruder handelt, der laut Eddie´s Aussage nicht besonders gut aussieht. Aha.

Nach 50 Minuten verlassen Art Brut die Bühne und kommen nochmal für drei Zugaben zurück. Mir entfleucht ein Kreischen: Sänger Eddie trägt die Ohrringe der Chalets Sängerinnen. Im spontanen Gespräch mit dem Publikum sagt er folgende denkwürdige Worte: "Ich bemühe mich sexy zu sein, allerdings solltet ihr mich nicht in einem String sehen". Der letze Song ´Good weekend´ endet in ´Art Brut / Top of the Pops´ Sprechchören, gefolgt von ´The Chalets / Top of the Pops´ Sprechchören. Und wem das noch nicht reicht, der bekommt einfach noch ein Stück aus ´You Really Got Me´ von den Kinks als Sahnehäubchen obendrauf.
Mein lieber Herr Gesangsverein, was war das für ein geiles Konzert. Aufgekratzt verlasse ich die Halle, als The Jam´s ´In The City´ aus den Boxen schallt. Danke an meine älteren Geschwister, denn die haben es zu verdanken, dass die kleinste den Rock ´n´ Roll entdeckt hat! Ob das bei Art Brut genau so war? (Katrin Jungmann CT das radio)

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