Konzertschau

Anti-Flag - Stuttgart, LKA
2. Mai 2006

Sie können‘s noch immer! Anti-Flag haben bei ihrem Konzert im LKA bewiesen, dass sie noch immer zum Besten gehören, was die Polit-Punk Szene zu bieten hat.

„Get your asses off the floor!“ Die Worte des „A Wihelm Scream“- Sängers waren deutlich und verfehlten ihre Wirkung nicht: In den folgenden 3 Stunden sollte sich das LKA Longhorn in ein riesiges Moschpit verwandeln. Auch sonst bot der Abend alles, was man von einem Punk-Konzert so erwartet: Mannshohe Iros, Straßenblockaden, Wortgefechte mit der Polizei, Crowd-Surfing und inflationärer Umgang mit Pfandflaschen und deren Inhalt.

Die Musik dazu gab es gleich von 3 Bands. Die erste Vorband „A Wilhelm Scream“ gab von der ersten Minute an Vollgas und konnte definitiv überzeugen, auch wenn ihnen noch etwas die musikalische Reife und Originalität fehlte. „The Unseen“ machte da weiter wo „A Wilhelm Scream“ aufhörten und legten noch eine Schippe Wut drauf. Mit ihrer mitreißenden Bühnenperformance bereiteten sie das Publikum gebührend auf den Haupt-Act des Abends, Anti-Flag, vor.

Von Weichspüler keine Spur

Diesen wurde nach ihrem Wechsel zu einem Major-Label vorgeworfen, weichgespült worden zu sein. Auch Drummer Pat Thetic erzählte uns im Interview, sie wären alt und langweilig geworden. Wir waren also gespannt wie die Wirklichkeit aussieht und können nur sagen: Alles gelogen! Anti-Flag wissen noch immer wie man ordentlich auf die Kacke haut und spielten ihre jüngeren Vorbands gehörig an die Wand. Während die alten Songs vor allem durch jugendlichen Übermut geprägt waren, zeigten die neueren Songs die Routine der Band. Auch Freunde der Melodie kamen hier endlich auf ihre Kosten: Die Lieder der letzten beiden Longplayer zeigen einen deutlichen Hang zum erkennbaren Refrain und zur wiedererkennbaren Melodie. An Wut und Energie haben die Mannen um Justin Sane jedoch nicht verloren. Es wird immer noch gegen das System und vor allem die Bush-Administration gewettert - und das verdammt laut. Einzig die Feuerzeug-Szene während "One Trillion Dollars" war wohl das Tribut, das man an den Wechsel zum Major-Label zollen musste.

(Max Mollien und Katharina Kurz, HoRadS)

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