Konzertschau

Angelika Express / Kratzeis - Münster, Gleis 22
12. Dezember 2004

„Wo kann man denn hier in Münster jetzt noch hingehen?“, fragt jemand. Es ist Sonntag, eine halbe Stunde vor Mitternacht und als Antwort auf die Frage grinsen die Angesprochenen nur, oder zucken mit den Schultern. Wir definieren den Sonntagabend ab sofort als langweilig – was soll’s?!

Zweieinhalb Stunden zuvor: Von Langeweile ist nichts zu spüren. Die CampusRadios NRW hatten zum Radiokonzert mit Angelika Express ins Gleis 22 eingeladen.

Doch den Anfang machten Kratzeis aus Bochum mit ihrem sperrigen Sound, bei dem der Gesang durchs Megaphon kommt und die Windows-Abmelde-Musik als Klangeffekt herhält. Einfallsreich, die Herren!

Ohne derlei technische Hilfe kommt der Hauptact aus, auch wenn Angelika Express von einem Besucher versehentlich für die Vorband gehalten werden. Die Drei präsentieren sich wie üblich als perfekt aufeinander ein- und abgestimmt und das auch, wie immer, optisch: die schwarzen Anzüge sitzen, die Krawatte (ja, Singular!) zwar nur zu einem Drittel, aber immerhin ist der Sound, trotz dieses kleinen stilistischen Ausfalls, glasklar.

Erster Song ist „Feierabend of Destruction“, der „Gitarren für die Mädchen“ verspricht - ein offensichtliches Wortspiel mit dem Begriff „Jungs“ lassen wir jetzt mal weg – aber das Ziel ist klar und der Einstieg geglückt. Überall anerkennendes Wippen und zumindest fünfzigprozentiges Mitsingen der Hits – „Paul muss sterben“, „Teenage Fanclub Girl“, „Rock Fucker Rock“, oder „Geh doch nach Berlin“.

Dazwischen stellen sich die drei Kölner (früher mal kölsche Hives, aber damit muss Schluss sein) ausführlich gegenseitig vor und um die Gruppendynamik weiter zu steigern, darf auch Schlagzeuger Alex Jezdinsky mal singen („Verkaterter Dienstag“) und Bassist Jens Bachmann „ein Lied über die Vorzüge der Liebe“ (Zitat Robert Drakogiannakis, Sänger und Gitarrist) namens „Jetzt“ darbieten, um mal den Ausdruck „singen“ zu vermeiden.

Der Song „Phantome“, zu finden auf der aktuellen, gleichnamigen EP, ist eine neue Version von „Cocktail für eine Leiche“, inklusive Melodika-Solo. Für dieses gibt es spontanen Zwischenapplaus und fast wirkt die Band ein bisschen irritiert, aber professionell genug, sich das nicht allzu sehr anmerken zu lassen.

Zweimal noch kommen Angelika Express für eine Zugabe zurück und zum Abschied fordert Alex: „Hört mehr CampusRadio“. (Zeigen wir uns also an dieser Stelle erkenntlich: Hört mehr Angelika Express. Kauft ihre Platten und ladet sie nicht runter.) Danke auch an Kratzeis und den Rest von Angelika Express für die Rettung des Sonntagabends.

Laura Scheiter, CampusRadios NRW

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