Konzertschau

Amp Fiddler - Köln, Stadtgarten
14. April 2004

Obwohl Keyboarder Amp Fiddler spätestens seit seiner Arbeit mit George Clinton und Prince zu den großen Ikonen des Funks gehört, veröffentlichte er erst jetzt, im zarten Alter von Mitte 40, sein vielbeachtetes Solo-Debüt „Waltzes of a Ghettofly“- eine extrem lässige Soul-Platte mit derben Grooves und unwiderstehlich schmachtenden Vocals.

In einem gutbesuchten Kölner Stadtgarten lässt sich der Mann aus Detroit dann auch nicht lange bitten und eröffnet mit dem Titelsong zu seinem Album. Mit ungeheurer Spielfreude und mehr oder weniger geplanten Improvisationen braucht der Keyboarder und Sänger nur wenige Minuten um die Menge auf seine Seite zu ziehen und die Leute zum Tanzen zu bringen.

„Free your mind and you ass will follow,“ singt Fiddler in Reminiszenz an seine Zeit bei der legendären Truppe Parliament und kündigt den nächsten Song an: „Let’s play something funky!“ und eröffnet mit einem Keyboard-Groove a la Stevie Wonder. Das Konzept ist so einfach wie erfolgreich: „Ich singe einfach einen Soul-Song über verschiedene Beats und Stile,“ so Fiddler im Vorfeld des Konzertes, „Melodie, Rhythmus und die Story bilden die Basis und wenn es dir gelingt diese Elemente zu transportieren ohne dabei wie ein Prediger zu klingen, dann hast du den halben Weg schon hinter dir.“

Kunststück, schließlich würde jede Panflöten-Combo aus der Fußgängerzone wie Funkadelic klingen, wenn sie auf eine Rhythmussektion um Basser Paul Randolph und Drummer Ronald Wright bauen könnte. Vor allem Letzter liefert sich zusammen mit seinem Bandleader so manch heiteres Intermezzo. Da fegt Fiddler tanzend über die Bühne, getrieben von den synkopischen Breaks seines Drummers, um sich schließlich scheinbar erschöpft in Zeitlupe an sein Fender-Rhodes zu schleppen und noch rasch eine klassisch-angehauchtes Solo aus dem Ärmel zu schütteln. Fiddler weiß was er kann und fragt das Publikum verschmitzt lächelnd: „How many songs more do you want?“

Bei den Zugaben dürfen auch noch die beiden Background-Sängerinnen ihre Stimmkraft demonstrieren und ihre eigenen Songs präsentieren. Partice Petway wusste hierbei ebenso zu überzeugen wie Ex-Brooklyn Funk Essentials-Mitglied Stephanie McKay, die 2003 ihr hierzulande leider viel zu wenig beachtetes Debüt „McKay“ veröffentlichte. Hoffentlich bleibt Amp Fiddler dieses Schicksal erspart. Schließlich wäre es doch schön, wenn diese schweißtreibende P-Funk-Extravaganza öfter in Deutschland unterwegs wäre.

(Felix Grimm, CT - das Radio)

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