Konzertschau

Amp Fiddler - Kalkscheune, Berlin
9. September 2006

"Unchain My Heart&" gehört mit Sicherheit nicht zu dem klassischen Repertoire eines P-Funkstars aus Detroit! Aber mit genau diesem Song ging Joseph "Amp" Fiddler an diesem Samstagabend in der Berliner Kalkscheune von der Bühne - denn was bedeuten schon Genre-Grenzen für eine Mann wie Fiddler, der dieser Tage mit Mitte Vierzig seine zweite Solo-Platte veröffentlichte und mit der er vom Intro-Magazin in eine Linie mit Maxwell und D´Angelo gestellt wird, also mit den vermeintlich jungen Wilden der nordamerikanischen R´n´;B-Szene. Das er sich auch live nicht vor den jungen Wilden des Genres zu verstecken braucht, zeigte Amp Fiddler bei seinem Konzert auf beindruckende Art und Weise.

Mit neu(formiert)er Band präsentierte Amp Fiddler in der Kalkscheune seine ganz eigene Version zeitgenössischer Black Music: ohne Choreographie und ohne dahinschmachtende Background-Sängerinnen, dafür aber mit einem Jimi Hendrix an der Gitarre, das selbst George Clinton feuchte Augen bekommen hätte. Eddie Hazel lässt grüßen.

Neben einer wohlgewählten Mischung aus neuen Songs von seinem kürzlich veröffentlichten Album "Afro Strut" und dem Vorgänger "Waltz of A Ghetto Fly" gab der Detroiter auch den ein oder anderen Klassiker wie etwa "War" von den Temptations zum besten. Nicht um etwa seiner eigenes Repertoire aufmöbeln, sondern aus gegebenem Anlass: So griffen die Zeilen "War - what is it good for? Absolutely nothing!!" nahtlos über in seinen eigenen Song "Love & War", über dessen Content Fiddler vor geraumer Zeit sagte: "I saw the whole thing coming when Bush got into office, so I started writing about it. I knew Bush wanted a war, and I knew it was going to happen. [..] I´m not neutral, especially when so many people are being killed!"

Nur gut, dass Fiddler keineswegs der lupenreine Agit-Preacher ist, sondern sein Schaffen vielmehr mehr dem Funk gewidmet hat, denn tanzen geht immer - frei nach dem Motto: "Free your mind and your ass will follow!". "Unchain my heart and set me free!" (Felix Grimm, CT das Radio)

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