Konzertschau

Begeisterungsstürme, Urban Cone im FZW
25. September 2012

Selten gab es eine Band, die gerade erst eine einzige EP im Digitalformat in ihrer Diskographie vorweisen kann und schon Monate vor Albumrelease so wie weit entfernt von der Heimat für Furore und Begeisterungsstürme sorgt. Vom Indiediskogeheimtip zum Überflieger: die Rede ist vom schwedischen Quintett Urban Cone, das am 12. August einige Szenekundige und bereits Aufgeklärte im Dortmunder FZW beglückte. Nachdem die Dortmunder Formation Shoreline Is im Vorprogramm ihre Interpretation von Synthie-Dreampop mit seichter Postrocktendenz präsentierte (die zwar nicht komplett makellos verlief, die gute Besprechung in der Visions aber als plausibel erscheinen lässt), betritt das junge Gespann unter tosendem Applaus die Bühne. Die Menge verhält sich neugierig und lauscht auch unbekannten Songs gebannt, deren flächendeckend wavig-mystische Intros sich in synthielastige und effektbeladene Popnummern verwandeln. Die setzen sich im Wesentlichen aus rasanten Beats und quirligen Gitarrensequenzen zusammen. Letztere fallen mal infantil aus und an erinnern an die Foals, dann wirken sie wieder opulent und sirenenhaft. Das abwechslungsreiche, aber insgesamt kompakt übersichtliche Set liefert dem bereits textsicheren Publikum wache und funkelnde Popnummern, wie „Freak“ oder „Dialogue“, aber auch gediegenere, sensiblere Kompositionen, die Neugier auf das noch Ende diesen Jahres angekündigte Album machen. Wurde das schon erwähnt, dass Urban Cone noch gar kein Album draußen haben? Egal, die Band präsentiert sich extrem spielbegabt und –freudig; traut sich sogar schon selbstbewusst einen Timer zu setzen, als ob sie die Zugaben-Rufe bereits voraussagen könnte. Auch ihr bisher – zu Recht – bekanntester Song „Photograph“ ist im Set clever positioniert: als vorletzte Nummer. Auch wenn es sich die Band nicht nehmen lässt, einen Song zweimal zu spielen (wenn auch in unterschiedlichen Versionen). Das sei ihr im jugendlichen Leichtsinn verziehen. Danach gibt es als Rausschmeisser auch noch einen Vorgeschmack auf die LP, der nach anfänglich gebrechlich melancholischer Stimmung in ein wahres Postrockinferno ausartet. Randnotiz: So oder so gilt, lieber einen guten Song zweimal spielen als einmal einen schlechten zu performen. Also die richtige Entscheidung. Im Grunde haben sie gar nichts falsch gemacht.
 

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